Epifani – Das Fest der Beschneidung bei Christ_innen

von textproducer

Vor einigen Flügelretabel_aus_Brabant_Berlin_BeschneidungMonaten wurde in Deutschland darüber diskutiert, ob Muslime und Juden ihre Söhne weiterhin beschneiden lassen dürfen, wie es in ihren Brauchtümern üblich ist.  Es gab eine unledige Debatte darüber, in der vor allem wieder die ganzen Islamophoben und Antisemiten die Gunst der Stunde rochen, um ihren eigenen inneren Mülleimer über die gesamte Gesellschaft zu kippen.

Ich hatte dazu damals geschrieben:

Schulmediziner_innen (Gött_innen in Weiß) und andere gegen die Beschneidung als Teil religiöser Riten

09/07/2012
von Sakine Subasi-Piltz
Das Sommerlochthema Nr. 1 hat sich auch dieses Jahr wieder durchgesetzt: Muslime in Deutschland. Diesmal geht es um das Beschneidungsritual. Das Gute dabei, hier können auch die Juden gleich abgehandelt werden. Vielleicht findet sich nächsten Sommer ja sogar ein Thema, unter dem nicht nur Muslime und Juden abgehandelt werden, sondern auch gleich alle Sinti und Roma,
vielleicht auch alle körperlich und/oder seelisch behinderten Menschen und schließlich vielleicht auch alle politisch Andersdenkenden. Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, was uns noch erwartet und wie weit die Geschichtsvergessenheit in diesem Land geht. Wir dürfen auch darauf gespannt sein, wie sich weiße Deutsche permanent als die „richtig-tuer“ profilieren, egal in welcher Frage.
Das soll schließlich Aufklärung sein. Jede und jeder soll das Recht haben, Kritik an allem zu üben, egal wieviel Vorwissen besteht, egal welche Kompetenzen sich gegenüber stehen. Doch sobald die
Kritik an weißen Deutschen, christlich geprägten Menschen geübt wird, wird sie in der Regel abgemildert, durch die Medien nur marginal aufgenommen, nicht ernst genommen, die Debatten auf emotionale Entgleisungen verschoben, so dass die Kritik bald wieder in Vergessenheit gerät. So
zum Beispiel, wenn wir in Deutschland das Problem des Rassismus besprechen wollen. Niemand möchte plötzlich als solche_r bezeichnet werden. Das Wort Rassismus ist ein Tabu, welches als banales Schimpfwortaufgefasst, in der Politik und auch sonst gegenüber deutschen, weißen,
christlich geprägten Personen nicht angesprochen werden darf, obwohl nachweislich viele Menschen darunter leiden.
Aber ich schweife ab, wir wollen ja auch jetzt wieder nicht über Rassismus sprechen, wie beispielsweise darüber, wie die Morde der NSU über Jahre unentdeckt durchgeführt konnten, wie wichtige Dokumente über die Mörder einfach beim Verfassungsschutz zerstört werden konnten und
wie es angehen kann, dass es diesen Verfassungsschutz immer noch gibt und auch der Innenminister, wie auch die gesamte Regierung immer noch so tun kann, als seien ihre Positionen noch tragbar oder gar legitim.
Nein, hier geht es um das Wohl des muslimischen Kindes gegenüber dem Recht auf freie Religionsausübung und dem Recht der Eltern, ihre Kinder nach ihren eigenen Überzeugungen und Idealen erziehen zu dürfen. Vorab: Mir, als Muslimin ist kein Mann bekannt, der die Beschneidung
im Nachhinein als negative körperliche Verstümmelung bezeichnet hat oder vorgibt, deswegen beispielsweise nicht mehr sexuell aktiv sein zu können. Ganz im Gegenteil, wird die Beschneidung von vielen als etwas vermännlichendes beschrieben. Aber geht es hier wirklich um die Kinder und
um das Wohl der (muslimischen und jüdischen) Kinder? Geht es wirklich um den muslimischen und jüdischen Mann, um den sich die deutsche, christlich geprägte Mehrheitsgesellschaft sorgt?
Ich glaube nicht. Ich denke, es geht nach wie vor um einen Glaubens-, einen Kulturkampf nach den Paradigmen, die Samuel Huntington im „Kampf der Kulturen“ vorgegeben hat. Es geht darum, in Zeiten zunehmender Unsicherheit zumindest gegenüber den Kanaken, gegenüber der jüdischen
M*schp*k* seine Selbstsicherheit als weiße_r, christlich geprägte Deutsche_r nicht zu verlieren und sie mit einem Blick in ihre Hosen, auf ihre Scham, erstmal von der eigenen Unsicherheit und den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken und schließlich Männlichkeit auf die Länge des Penis zu
reduzieren.
Denn wie glaubwürdig ist beispielsweise eine Schulmedizin, die sich vermeintlich auf die Seite des Kindes schlägt und die einmalige Beschneidung als Körperverletzung verurteilt, aber sich gegen die Pharmakonzerne nicht wehren kann, um sich beispielsweise schon ab dem dritten Lebensmonat
eines Säuglings mit einer sich bis zum 18. Lebensmonat fast monatlich wiederholenden umstrittenen Impftortur zu vergehen? Sind diese Impfungen denn wirklich nötig? Die Ärzte sehen es nichtmal für notwendig, die Eltern darüber aufzuklären, welche Risiken mit diesen Impfungen
einhergehen, noch dass die Eltern sich natürlich auch gegen diese Impfungen oder auch gegen einzelne Bestandteile der Impfungen entscheiden können. Babys, kleine Kinder werden malträtiert, sie kriegen Arztphobien, zum Teil Praxisphobien, weil sie immer wieder an an der gleichen Stelle
gespritzt werden. Ganz zu schweigen von den Schmerzen, ganz zu schweigen von dem Verlust des Vertrauens gegenüber Erwachsenen, als auch gegenüber den Eltern, die ihre Kinder immer wieder
zu diesen sie verletzen Ärzten bringen.
Also, seien wir doch mal ehrlich, worum geht es wirklich?

Diesen Artikel hatte ich damals geschrieben, nachdem ich im Fernsehen eine ekelhafte Diskussion zwischen einer weißen, deutschen, christlich geprägten Ärztin, einer türkeistämmigen Muslimin und noch jemanden, den ich nicht mehr erinnere gesehen hatte. Wie im Text deutlich wird, hatte mich vor allem die Ärztin mit ihren scheinheiligen Ansätzen geärgert. Die Debatte ist in dieser Art zum Glück auch wieder vorbei. Deutschland wollte sich nicht vor der Welt blamieren und jüdische Bräuche (wieder) verbieten. So haben auch die Muslime Glück gehabt.

Doch mir war bisher entgangen, dass das Beschneidungsritual, welches in den letzten Monaten für kontroverse, zum Teil unliebsame Diskussionen gesorgt hatte, offensichtlich auch mal ein Brauchtum des Christentums war. Zumindest in der Hinsicht, dass die Beschneidung von Jesus gefeiert wurde und heute noch von einigen Christen am 6. Januar zur Epiphania gefeiert wird. Laut Wikipedia wurde dieses mit der sogenannten Liturgiereform geändert, die ungefähr mit der Zeit zusammenfiel, als das Christentum zur Staatsreligion wurde.  Ich weiß aber nicht, ob Christen jemals selbst ihre Kinder beschnitten haben, um Jesus Vorbild zu folgen. Vielleicht weiß es ja jemand und mag es mir mitteilen.

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