..was mich am meisten nervt – Proteste in der Türkei

von textproducer

..Was mich an dieser Debatte (in Deutschland) am meisten nervt, ist nicht nur, dass alle meinen, Erdogan als Diktator identifizieren zu können, sondern viel mehr die bornierte Arroganz mit der Leute mit null Ahnung meinen, dass plötzlich eine Zivilgesellschaft in der Türkei entstanden wäre und dass die Türk_innen nun endlich den Mund aufmachten. In der Türkei gibt es wie hier ein großes soziales zivilgesellschaftliches Engagement und das nicht erst seit Ende Mai diesen Jahres. Die Frauenbewegung spielt in der Türkei beispielsweise ebenso eine große Rolle, die im letzten Jahr verhindern konnte, dass ein Abtreibungsverbot eingeführt wird. Zudem haben sie in den letzten Jahren zu verschiedenen Gesetzesänderungen beigetragen. http://www.wwhr.org/category/news/32876/pinar-ilkkaracan-islam-allows-abortion
Erdogan ist konservativ-reaktionär, unbestritten, aber er unterscheidet sich nicht so sehr von CDU-Politiker_innen, die großes Engagement hier auch nötig machen. Aber er kann eben nicht einfach machen, was er will. Dafür sorgt die türkische Bevölkerung schon und wird es hoffentlich auch in Zukunft tun. Es ist auch noch unbestreitbar viel zu tun, in der Türkei wie auch hier, und es ist notwendig, aufmerksam zu bleiben.  Aber eine als Solidarität getarnte orientalistische Propaganda von hier ist nur kontraproduktiv und lähmt im Zweifeslfall die Proteste und die türkische Zivilgesellschaft.  Wer hier also für eine Revolution ist und meint, die konservativ-reaktionären Kräfte müssten mit aller Macht bekämpft werden, und jegliche Kritik an der türkischen Regierung wären deswegen jetzt legitim, egal ob diese in einem rassistischen Diskursumfeld stattfindet oder nicht, die sollten erst hier aufstehen und Merkel vertreiben, bevor sie sich in Sachen einmischen, von denen sie keine Ahnung haben.

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